Experteninterview Krankenversicherung

- Jörg Twiefel
Welche Versicherungen benötigt ein Existenzgründer?
Jeder Unternehmer muss individuell entscheiden, wie viel Absicherung sein Unternehmen benötigt. Nicht alles, was versichert werden kann, muss auch versichert werden, da Versicherungsprämien einen nicht zu unterschätzenden Kostenfaktor darstellen.
Man unterscheidet die persönliche und die betriebliche Absicherung.
Zur persönlichen Absicherung gehören z.B. Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Altersvorsorge, Berufsunfähigkeitsversicherung, etc.
Zur betrieblichen Absicherung zählen Vermögensversicherungen (z.B. Haftpflicht und Rechtsschutzversicherung) und Sachversicherungen (z.B. Feuerversicherung, Transportversicherung)
Warum ist die AOK ein geeigneter Partner für Existenzgründer?
Die AOK Firmenkundenabteilung bietet Existenzgründern persönliche Beratungsgespräche an und geht aktiv auf sie zu.
Existenzgründer bekommen bei der AOK einen speziellen Firmenkundenberater zugeteilt, der sie in Fragen zur Sozial-, Kranken- und vielen weiteren Versicherungen kostenlos berät. Die AOK versucht dabei, den Gründern soviel Arbeit wie möglich abzunehmen, etwa mit Behördengängen wie dem Beantragen einer Betriebsnummer, damit diese sich voll auf die Realisierung ihrer Idee konzentrieren können.
Außerdem werden diverse Wirkungszusammenhänge erklärt, z.B. wann und wie man Sozialversicherungsbeiträge für seine Mitarbeiter bezahlt und berechnet.
Wenn Existenzgründer Fragen zu Themengebieten außerhalb der Kernkompetenzen der AOK haben, verweisen wir diese an Netzwerkpartner, die das jeweilige Geschäft besser beherrschen. In Finanzierungsfragen wäre das beispielsweise die Bremische Volksbank.
Was sagen Sie zu der Faustformel: Große Risiken versichern und kleine Risiken lieber selbst tragen?
Existenzgründern sollte man immer raten, die Versicherungen auf ein Minimum zu reduzieren. Gerade zu Anfang ist es ohnehin schon recht schwierig, so viel zu erwirtschaften, dass man alle laufenden Kosten wie Miete, Sachmittel, Personalkosten, etc. decken kann. Da sollte man sich nicht auch noch mit „unnötigen“ Versicherungen belasten.
Was man auf jeden Fall haben sollte, ist sicherlich eine Haftpflichtversicherung bzw. Produkthaftpflichtversicherung, wenn man selber etwas produziert.
Vorsicht ist geboten vor den so genannten „Rundumabsicherungen“. In Deutschland neigt man ja dazu, sich gegen alles Mögliche zu versichern. Das ist jedoch im Falle von Existenzgründungen in meinen Augen nicht erstrebenswert, da es einfach zu viele finanzielle Mittel binden würde, die anderswo dringender benötigt würden.
Bis zu welchem Betrag können Selbstständige familienversichert bleiben?
Sobald die Selbstständigkeit dazu dient, sich seinen Lebensunterhalt voll zu sichern, kann man nicht mehr familienversichert sein.
Wenn man sich als Existenzgründer anmeldet, kann man sich aber in den ersten sechs Monaten für 114 € krankenversichern. Ab dem siebten Monat steigt der Beitrag auf 171,50 €. Es wird aber von der AOK in Aussicht gestellt, noch auf der ersten Stufe (114,- €) zu bleiben, wenn man nachweist, dass das Einkommen aus der Selbstständigkeit noch so gering ist, dass man den erhöhten Beitragssatz noch nicht begleichen kann.
Nach ca. eineinhalb Jahren nehmen wir an, dass der Existenzgründer mit seinem Geschäft seinen Lebensunterhalt voll bestreitet und muss ab diesem Zeitpunkt (wieder ist die zeitliche Grenze fließend) einen Anteil von 257,26 € für seine Krankenversicherung bezahlen.
Was sind aus Ihrer Sicht die größten Probleme bei Gründern?
Die größten Probleme, mit denen sich Existenzgründer konfrontiert sehen, sind zum einen, dass sie im laufenden Geschäftsbetrieb nicht dazu kommen, Rechnungen zu stellen. Zum anderen muss man die schlechte Zahlungsmoral der Kunden erwähnen. Der Existenzgründer muss deshalb so früh wie möglich ein funktionierendes Mahnverfahren implizieren.
Oft fehlt es den Gründern auch an einer ausreichenden betriebswirtschaftlichen Kalkulation, d.h. es werden Rechnungen geschrieben, die den eigenen Aufwand nicht abdecken.
Welche allgemeinen Ratschläge können Sie Existenzgründern noch mit auf den Weg geben?
Bezüglich der Firmenkundenkompetenz sollte man sich immer an die großen Krankenkassen wenden, da diese im Zweifelsfall vor Ort zu erreichen sind, so dass ein persönlicher Kontakt gewährleistet ist, was bei kleineren Kassen nicht immer der Fall ist.
Wenn sich Probleme ergeben, etwa bei der Zahlung der Sozialversicherungs-beiträge, sollte man immer mit seinem Partner (die Krankenkasse) offen über diese Probleme sprechen, damit der Partner Bescheid weiß und gegebenenfalls weiterhelfen kann. Viele Gründer verdrängen diese oft finanziellen Probleme und wundern sich dann, wenn auf einmal eine hohe Forderung ins Haus steht, weil Sozialversicherungsbeiträge nicht abgeführt worden sind.
In Sachen Personal gibt die AOK den Ratschlag, erst mal neue Mitarbeiter auf € 400,- Basis einzustellen, da dann keine Sozialabgaben geleistet werden müssen und Übersichtlichkeit gewährleistet ist.
Jörg Twiefel
AOK Bremen
0421 / 1761494
Joerg.Twiefel@hb.aok.de




