Ab auf den Schotterweg!

Crowdfunding ist in aller Munde – und auch unter den Bremer Studierenden gibt es erfolgreiche Crowdfunder. So berichteten wir vor kurzem über die erfolgreichen Crowdfunding- Kampagnen des diesjährigen Siegers des CAMPUSiDEEN-Wettbewerbs „edicted“  und der Techniktüftler von „TobyRich“.
Seit Juli hat Bremen eine eigene Crowdfunding-Page, den Schotterweg. Wir haben uns mit Leslie Schoßmeier-Prigge und Sabine Fröhlich vom Schotterweg-Team zu einem Interview verabredet, um mehr über das Thema Crowdfunding und die Bremer Crowdfunding-Page zu erfahren.

Leslie Schoßmeier-Prigge und Sabine Fröhlich vom Schotterweg.

Der Schotterweg ist erst vor kurzem online gegangen, wie ist die bisherige Resonanz auf die Page?

Sabine Fröhlich:  Wir sind am 14. Juli 2015 mit dem Schotterweg live gegangen und die Page ist sehr gut angelaufen. Wir hatten bereits den zweiten Workshop für Starter und auch die Infoveranstaltungen sind gut besucht. Es ist aber natürlich unser Wunsch, in Bremen noch bekannter zu werden, da ist definitiv noch Luft nach oben.

 

Können Sie ein wenig zum aktuellen Stand der Bewerbungen sagen?

Leslie Schoßmeier-Prigge:  Wir haben bereits eine umfangreiche Zahl an Interessenten beraten. Diese sind nun selbst gefragt und treiben Ihre Projekte voran. Die meisten wollen zeitnah Ihre Kampagne auf dem Schotterweg starten. Zudem haben wir bereits die erste erfolgreich finanzierte Kampagne.

 

Es gibt zahlreiche unterschiedliche Crowdfunding-Plattformen und -Pages. Was macht den Schotterweg besonders und wo liegen die Vorteile für Crowdfunder, ihr Projekt auf einer regionalen Page zu präsentieren?

Sabine Fröhlich:  Den Schotterweg kann man als ein lokales Schaufenster für alle Bremer Projekte betrachten. Wir schaffen eine lokale Öffentlichkeit für die Bremer Projekte und möchten darüber hinaus nach und nach ein Crowdfunding-Netzwerk in Bremen aufbauen. Durch unsere Kooperation mit Startnext sind alle Projekte natürlich zusätzlich bundesweit auf der Startnext-Seite zu sehen. Somit nutzt man die Reichweite unseres Kooperationspartners und zusätzlich bekommen die Projekte im Land Bremen  Präsens. Darüber hinaus bieten wir vom Schotterweg-Team allen Bremerinnen und Bremern kostenlose Infoveranstaltungen und Workshops für Starter an. Des Weiteren beraten wir Starter auch in einem persönlichen Gespräch.

 

Wie können die Interessenten Kontakt zu Ihnen aufnehmen und wie sehen die weiteren Schritte aus?

Sabine Fröhlich:  Den „Jetzt bewerben“-Button auf unserer Website www.schotterweg-crowdfunding.de  kann man als erste Kontakteaufnahme verstehen.  Im Bewerbungsformular werden einige persönliche Informationen und erste Eckdaten der Idee abgefragt. Nachdem uns die Projektbewerbung erreicht hat, setzen wir uns innerhalb der nächsten sieben Werktage mit den Bewerbern in Verbindung. In einem ersten Gespräch klären wir, ob die Idee zum Schotterweg passt, wie wir das Projekt unterstützen können und ob die genauen Abläufe einer Crowdfunding-Kampagne bekannt sind.

Leslie Schoßmeier-Prigge:  Aus manch einem Gespräch geht hervor, dass Crowdfunding vielleicht nicht das passende Finanzierungsmodel für ein Projekt ist. Dann verweisen wir auf unsere weiteren Fördermöglichkeiten, die die BAB  als Förderbank des Landes Bremen anbieten. 

 

Für eine professionelle Kampagne und ein Pitchvideo benötigen die Projektstarter sicherlich auch finanzielle Mittel. Unterstützt  der Schotterweg die Teilnehmer auch in dieser Hinsicht?

Sabine Fröhlich:  Nein, das machen wir nicht. Aber es muss auch kein hochprofessionelles Video sein.  Wichtig ist es, dass die Crowd merkt, dass man für seine Idee brennt. Authentizität, Überzeugungskraft sind hier die Schagworte. Das sagen wir auch den Teilnehmerinnen  und Teilnehmern in unseren Workshops. Es gibt Projektstarter, die sich mit einer Handykamera in den Garten gesetzt haben und ihr Projekt auf eine authentische Art und Weise vorstellen und damit erfolgreich sind!

 

Also kommt es gar nicht so sehr auf die finanziellen Mittel an, sondern vor allem darauf, dass man mit der Idee punkten kann und überzeugend wirkt?

Leslie Schoßmeier-Prigge:  Ja, aber das ist auch projektabhängig.  Bei einem Filmprojekt erwartet die Crowd natürlich ein professionelleres Pitchvideo. Im Grunde kommt es aber nicht wirklich auf das Geld an, das in einer Kampagne steckt, sondern auf die Fähigkeit, die Crowd von seiner Idee zu begeistern.

 

Der Schotterweg kooperiert mit Startnext und setzt somit auf das Reward-based-Crowdfunding. Was war der ausschlaggebende Grund auf diese Art des Crowdfundings zu setzen?

Leslie Schoßmeier-Prigge:  Die Entscheidung für das Reward-Based-Crowdfunding fiel relativ früh. Bei dieser Art des Crowdfundings erhalten die  Geldgeber ein Dankeschön, beispielsweise eine Eintrittskarte für das durch die Crowd realisierte Konzert oder die ersten Produkte, die noch nicht auf dem Markt erhältlich sind. Ein weiterer Vorteil des Reward-based-Crowdfunding ist, dass es nicht mit dem Kleinanlegerschutzgesetz kollidiert.

 

Welche Projekte und StartUps eignen sich am besten für den Schotterweg?

Sabine Fröhlich: Unser Schwerpunkt liegt auf Projekten, Ideen und StartUps vorranging aus dem Bereich Kultur- und Kreativwirtschaft, Food und Social Business.

 

Wie weit sollte die Idee schon fortgeschritten sein, um sich mit dem Thema Crowdfunding auseinanderzusetzen?

Sabine Fröhlich: Die Ideen der Projektstarter sind unterschiedlich ausgereift. Crowdfunding bietet ihnen  eine Möglichkeit, ihre Ideen ohne Risiko auszuarbeiten und am Markt auszuprobieren – ohne dabei ein finanzielles Risiko einzugehen. Entsprechend möchten viele Bewerber zunächst von uns wissen, ob ihre Idee mittels des Crowdfundings überhaupt realisierbar ist.

 

Ist der Schotterweg auch für diejenigen interessant, die über den Ideen-Status hinaus sind?

Leslie Schoßmeier-Prigge:  Es gibt auch Bewerber, die wesentlich weiter und konkreter sind. Sie haben zum Teil schon einen ausgearbeiteten Businessplan und wollen ihr Produkt erstmal einem Markttest unterziehen. Auch dafür eignet sich der Schotterweg bestens.

Sabine Fröhlich: Aber man muss nicht unbedingt einen Businessplan haben, um eine Kampagne erfolgreich zu gestalten. Man sollte sich beim Entwurf der Kampagne genau überlegen, wer ist meine Zielgruppe, wen will ich erreichen und was sind meine Dankeschöns. Hilfreich ist es auch, in der Entwurfsphase bereits einen kleinen Marketingplan und eine Kommunikationsstrategie zu erstellen. Vor allem muss jeder Kampagnenstarter am Ende genau benennen können, welche finanziellen Mittel er braucht, um seine Idee zu verwirklichen und das muss er der Crowd auch transparent vermitteln können.

Leslie Schoßmeier-Prigge:  Dabei ist Scheitern erlaubt und kann sehr lehrreich sein. Es gibt Beispiele von Crowdfundern, die beim ersten Versuch gescheitert sind, aber so viel Feedback von der Crowd erhalten haben, dass sie ihre Idee verbessern konnten und im zweiten Anlauf erfolgreich waren.

 

Somit ist das Crowdfunding auch sehr gut für Studierende geeignet, die eine Idee verwirklichen wollen?

Sabine Fröhlich: Ja, definitiv. Man kann sich und die eigene Idee, die möglichweise während des Studiums heranreift, wunderbar ausprobieren. Nur den Zeitfaktor darf man hierbei nicht unterschätzen, denn in einer erfolgreichen Kampagne steckt sehr viel Zeit und Mühe.  Aber die investierte Zeit ist gut angelegt, denn unabhängig vom Erfolg der Kampagne ist der Ertrag im Hinblick auf den Lernfaktor sehr hoch.

 

Vielen Dank für das sehr nette Interview.